Eine Wildblumenwiese anzulegen ist gar nicht schwer. Die Gemeinde Baienfurt gestaltete 2023 mit dem NABU-Projekt „Natur nah dran“ verschiedene öffentliche Grünflächen mit Wildpflanzen um, um sie artenreicher zu machen. Auf diesen Flächen sieht man zurzeit teilweise dürre Stauden und vertrocknete Stängel, die Nistquartiere und Nahrungsquellen für Tiere bieten.
Für den privaten Garten ist jetzt im Herbst ist genau der richtige Zeitpunkt, um eine Wiese anzulegen.
Am besten für eine Wildblumenwiese eignet sich ein nährstoffarmer Boden. Hier gedeiht die größte Pflanzenvielfalt. Doch auch auf lehmig-humosen Böden fühlen sich heimische Wildpflanzen wohl. Hauptsache, die wärmeliebenden Pflanzen können den größten Teil des Tages die Sonne genießen.
Das Saatgut ist die Basis für den ökologischen Wert der Wiese. „Bienenfreundlich“ sind nicht alle Mischungen, die so genannt werden. Weil viele Insekten sehr spezialisiert sind und nur bestimmte Pflanzen als „Tankstelle“ für Nektar und Pollen anfliegen – rund ein Drittel unserer Wildbienen ist etwa beim Sammeln von Pollen spezialisiert –, sollte die Mischung ein breites Wildblumenspektrum enthalten. Beim Samenkauf sollte man auf regionale, mehrjährige Pflanzensamen möglichst aus ökologischem Anbau achten. Bezugsquellen für insektenfreundliches heimisches Saatgut und Wildpflanzen gibt es unter www.NABU.de/saatgut.
Man braucht Spaten, Rechen, Rasenwalze und Gießkanne. Bei größeren Flächen bietet sich eine Fräse an, manche Gartencenter verleihen die Geräte oder man fragt Bekannte in der Nachbarschaft. Für eine Wildblumenwiese die Grasnarbe komplett entfernen. Wo der Boden viele Nährstoffe enthält, mageres, mineralisches Substrat, wie Sand oder feinen Kies, untermischen. Vor dem Einsäen unerwünschte Wurzel- und Samenwildkräuter, wie Ampfer, Quecke, Distel oder Winde, entfernen. Anschließend die Erde feinkrümelig lockern und ebnen.
Die Wildpflanzen benötigen für ein optimales Wachstum mindestens vier bis sechs Wochen durchgehende Feuchtigkeit. Wer im Herbst einsät, kann gerade in Zeiten des Klimawandels sicher sein, dass die jungen Keimlinge nicht in den unberechenbaren, immer früher einsetzenden ersten Hitzewellen des Jahres vertrocknen. In der feuchten Kühle des Winters haben die Jungpflanzen ausreichend Zeit, ihr feines Wurzelgeflecht zu entwickeln, um im kommenden Jahr bestens gegen Trockenheit und Hitze gewappnet zu sein.
Die Samen mit Sand mischen und breitwürfig von Hand aussäen. Nicht mit Erde bedecken, denn Wildblumen sind Lichtkeimer. Zum Schluss das Saatgut anwalzen, damit die Samen bei Regen nicht weggeschwemmt werden, guten Bodenkontakt haben und so optimal wurzeln können. Die Fläche regelmäßig auf unerwünschte Wurzel- oder Samenwildkräuter hin kontrollieren. Pflanzen wie Melde, Knöterich, Kompass-Lattich, Zaunwinde oder Gänsedistel können die Blumenvielfalt verdrängen und sollten lieber ausgezupft werden.
Stehen die Blumen einer Wiese noch in Blüte, sollte gemäht werden: Je nach Standort ein bis dreimal Mal im Jahr, je nach Witterung und Region zwischen Mai und Juli sowie im Oktober. Auf nährstoffreicheren Standorten besser früher und einmal mehr mähen als bei mageren. Wenn ein Gutteil der Wildblumen verblüht sind, zu Sense oder Messerbalken greifen. Wichtig ist eine Mahd jeweils vor der Samenreife der ebenfalls blühenden Gräser, damit diese nicht überhandnehmen. Das Schnittgut trägt man ab, um die Blütenvielfalt langfristig zu erhalten. Damit in der Wiese lebende Tiere auf Nachbarflächen umziehen können, ist es gut in Etappen mit mindestens einwöchiger Pause zu mähen. Auch Altgras ist gut für die Artenvielfalt: Manche Insekten nutzen verblühte Stängel zum Überwintern und die Samen von Stauden sind eine wichtige Futterquelle für Vögel im Winter. Deshalb ist es sinnvoll, einen Teil der Wiese bis zum nächsten Frühjahr stehen zu lassen.
Pflanzentipp:
Diese Wildblumen für Insekten sollten in einer Wiese nicht fehlen:
Ehrenpreis in verschiedenen Arten, Gewöhnlicher Hornklee, Glockenblumen in verschiedenen Arten, Kleine Braunelle, Knolliger Hahnenfuß, Reseden in verschiedenen Arten, Schafgarbe, Schlüsselblume, Taubenkropf-Leimkraut, Wiesen-Bocksbart, Flockenblumen in verschiedenen Arten, Wiesensalbei, Wiesen-Storchschnabel.
Hintergrund:
Die Gemeinde Baienfurt hat im Jahr 2023 im Rahmen des Kooperationsprojekts „Natur nah dran“ des NABU und des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg vier Grünflächen in wertvolle Biotope mit Wildpflanzen umgewandelt.